Anstandsregeln des Studenten des Wissens
Antwort von Asch-Scheich Rabīʿ al-Madchaly رحمه الله:
Die Anstandsregeln des Studenten des Wissens sind an erster Stelle die Aufrichtigkeit gegenüber Allāh, dem Herrn der Weltenbewohner, in Bezug auf das Streben nach Wissen und dessen Erlangung. Denn es gehört zu den gewaltigsten Taten der Anbetung und der Annäherung, mit denen man Allāh näher kommt. Denn dadurch erkennt der Diener seinen Herrn, Seine Rechte, die Rechte der Eltern, der Familie und Verwandten und danach die Rechte der Muslime. Auch erkennt er dadurch die Glaubensgrundlagen, die Taten der Anbetung und (die Regeln) der sozialen Beziehungen und was davon verboten und erlaubt ist.
Ebenfalls erkennt man dadurch das Paradies und die Hölle, die Texte der Belohnungsverheißungen und Strafandrohungen und was die Diener zur Angst vor Allāh führt, sowie zur Vergegenwärtigung Seines Blickes im Verborgenen und Öffentlichen, worauf das Leben der Menschen aufrecht wird und gemäß der Zufriedenheit Allāhs verläuft.
Danach kommt der Anstand mit dem Lehrer, denn gewiss ist er der geistige Vater; wie man sagt. Daher soll der Student ihn respektieren und ehren, so wie er seinen Vater respektiert, wenn er mit ihm sitzt und mit ihm geht. Wenn er ihn fragt, dann stellt er eine Frage, um Nutzen zu erlangen, und nicht eine Frage, die aus Rechthaberei oder Widerspenstigkeit gestellt wird. Weder wird er ihm lästig, noch langweilt er ihn. Er zeigt keine Müdigkeit oder Schläfrigkeit vor ihm, wenn er die Lektionen erteilt, vielmehr gibt er ihm das Gefühl, dass er an seinem Unterricht interessiert ist, auf Grund der darin enthaltenen nützlichen Informationen, dem Wissen und dem Guten.
Dann obliegt dem Studenten, dass er einen sunnitischen Lehrer auswählt, der am Buch (Allāhs), der Sunnah (des Propheten ﷺ), der Glaubensgrundlage (Aqidah), der Gesetze (Schariah) und der (korrekten) Methode (Manhağ) festhält. Er soll sich von den Leuten der Neuerungen und des Irrgangs fernhalten. Sie sind nämlich gefährlicher als der Löwe für seine Beute, denn sie erbeuten den Verstand des Studenten, seine allgemeine Veranlagung und seine Glaubensgrundlage.
Was die Studentinnen des Wissens angeht, so obliegt ihnen sich an die zuvor erwähnten Anstandsregeln zu halten. Ebenfalls müssen sie sich in Acht nehmen vor allen Angelegenheiten, vor denen sich ein Student des Wissens in Acht nehmen muss in Bezug auf seine Religion, wie den Leuten der Neuerung und Heimsuchung. Danach obliegt ihnen sich darum zu bemühen das zu erlernen, was mit ihrem Leben zusammenhängt, speziell die Reinigung von den Dingen, die sie speziell angehen, das Stillen, die Erziehung der Kinder, das Recht des Ehemannes, den guten Umgang mit ihm, den Hijab und was damit zusammenhängt, was es bedeutet zu Hause zu verweilen und sich nicht zur Schau zu stellen und nicht die ungläubigen Frauen nachzuahmen, weder in ihrem Charakter noch ihren Kleidern noch in dem Vermischen mit den Männern.
Danach obliegt ihnen zurückhaltend und schamhaft zu sein. Die arabischen Frauen in der vorislamischen Zeit (Ğahiliyah) lebten zurückgezogen in ihren Häusern bzw. Gemächern, worauf der Islam dies noch zusätzlich bestätigte.
Wenn sie einen Lehrer haben sollte, dann ist es nicht erlaubt mit ihm alleine zu sein, so wie der Gesandte Allāhs ﷺ sagte:
لا يَخلونَّ رَجُلٌ بامرَأةٍ إلَّا ومعها ذو مَحرَمٍ، ولا تُسافِرِ المَرأةُ إلَّا مع ذي مَحرَمٍ.
، فقامَ رَجُلٌ، فقال: "يا رَسولَ اللهِ، إنَّ امرَأتي خَرَجَت حاجَّةً، وإنِّي اكتُتِبتُ في غَزوةِ كَذا وكَذا."
، قال: "انطَلِقْ فحُجَّ مع امرَأتِكَ." متفق عليه
„Kein Mann soll mit einer Frau allein sein, außer wenn ein Mahram bei ihr ist, und keine Frau soll reisen, außer mit einem Maḥram.“
Da stand ein Mann auf und sagte:
„O Gesandter Allahs, meine Frau ist zur Pilgerfahrt aufgebrochen, während ich für den Feldzug soundso eingetragen bin.“
Da sagte der Prophet ﷺ:
„Zieh los und vollziehe die Pilgerfahrt mit deiner Frau.“¹
Und (wegen) seiner ﷺ Aussage:
لا يخلوَنَّ رجلٌ بامرأةٍ فإنَّ الشيطانَ ثالثُهما.
„Kein Mann soll mit einer Frau alleine sein, denn der Schaytan ist der dritte von ihnen.“²
Das Alleinsein mit einer fremden Frau ist nicht erlaubt, gemäß der Aussage dieser beiden Ḥadīṯe und was in ihrer Form (überliefert) ist. Darüber liegt auch der Konsens der Gelehrten.
Dieses Vermischen der Geschlechter, das heutzutage in den Schulen vieler Länder, die sich dem Islam zuschreiben, anzutreffen ist, wird von niemandem gutgeheißen, der über Verstand, Ehre und Anstand verfügt. Wenn sie doch nur dem Königreich Saudi-Arabien folgen würden, das Jungen und Mädchen voneinander trennt, insbesondere jene Länder, denen Allah viel Gutes und große finanzielle Möglichkeiten gewährt hat. Wenn sie sich doch nur an die islamischen Lehren halten und sich weigern würden, ihren Feinden blind zu folgen, die weder in ihrem Leben Raum für Moral haben noch für die Lehren der Propheten, welche auf edlem Charakter, Ehre und Edelmut beruhen.
Quelle:
Abhandlung "Eine Fatwa über das Wissen und de Gelehrten" und die Antworten auf die Fragen aus Kuweit vom Grossgelehrten Rabī ibn Hādi al-Madchaly, Allah erbarme sich seiner.